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27. Januar 2016

Fastenzeit // 40 Tage Verzicht?


Gerade erst hat es begonnen, das neue Jahr, da ist der Januar auch schon fast wieder vorbei. In den Bäckereien hängen schon länger bunte Luftschlangen, Berliner (oder Krapfen oder Pfannkuchen, je nach Region) gibt es in allen Variationen zu kaufen. Liegen Weihnachten und Neujahr doch gerade erst hinter uns, die Schlemmzeit schlechthin, darf man sich doch auch wohl noch diesen Leckereien hingeben. Und dann, ab Aschermittwoch, wird hart gefastet. Süßigkeiten und Kalorienreiches, versteht sich. Damit im Sommer auch wieder ohne Schamgefühl das Freibad betreten werden kann.

Ich glaube, dass es so aber gar nicht gedacht war. Harte Selbstdisziplin einfach um der Disziplin wegen kann ich in meiner Bibel so  allerdings nicht finden. Jesus hat immer ein barmherziges Auge für Menschen gehabt, vor allem für jene, die große Probleme hatten und haben. Wenn jemand sich über die Feiertage und die Karnevalszeit nicht im Griff hat, liegt das Problem wohl tiefer - und das Fastenmüssen ist eine sich selbst auferlegte Last, die derjenige dann meist ganz schnell wieder ablegt, und weitermacht wie bisher. Unglücklich und jetzt auch noch enttäuscht über sich selbst.

Vielleicht hast du ja gar kein Problem mit dem Essen - schätze dich glücklich und danke deinen Eltern! Aber es gibt möglicherweise andere Dinge, an denen dein Herz hängt. Die du nicht lassen kannst, auch wenn es gut für dich oder andere wäre. Das können aber auch Verhaltensweisen sein, die an sich betrachtet, gar nicht schlecht sind, aber einen zu großen Stellenwert in deinem Leben eingenommen haben. Könntest du es einfach sein lassen, vierzig Tage lang?

22. Januar 2016

Finanzen // Wie man mit wenig Geld und wenig Zeit gut über die Runden kommt

Was haben alleinerziehende, arbeitende Mütter, Studenten mit Nebenjob und so manch ein Berufseinsteiger gemeinsam? Genau: Sie haben lange Arbeitstage, volle Terminkalender ... und oft mickrige Monatslöhne. Kurz gesagt: Sie alle haben wenig Zeit und wenig Geld.

Vielleicht bist du in genau dieser Situation und findest es einfach nur anstrengend? Dann ist dieser Eintrag für dich! Ich hoffe, dass ich dich damit ein bisschen inspirieren darf.

Denn diese Situation kenne ich nur zu gut. Als mein Mann und ich gerade frisch verheiratet waren, haben wir jeweils Vollzeit als Volontär bzw. Azubi gearbeitet. Zu unserer Arbeitszeit kamen grob zwei Stunden Pendeln pro Tag. Macht fünfzig Stunden außer Haus, ohne Überstunden. Dazu Hausarbeit und andere Verpflichtungen. Jeder Tag war: essen, schlafen, arbeiten, Wiederholung. Kräftezehrend! Für jemanden wie mich, die Hobbys und Freunde wie Luft zum Atmen braucht, eine Katastrophe.
Gleichzeitig reichte unser Volontärs- und Azubigehalt (zusammen!) gerade für das absolut Notwendige. Kurzurlaub zur Erholung? Unmöglich! Einfach mal essen gehen? Fehlanzeige!

Folgende fünf Punkte haben uns jedoch geholfen, in dieser Zeit finanziell und auch seelisch gut über die Runden zu kommen.


1. Transparenz, Transparenz, Transparenz

Die drei wichtigsten T's, wenn es ums Geld geht: Ich muss exakt wissen, wie viel ich verdiene. Ich muss exakt wissen, wie viel ich ausgebe. Ich muss exakt wissen, wie hoch meine Schulden sind. In Sachen persönliche Finanzen ist "Augen zu und durch" absolut unangebracht. Ich sage das nicht von oben herab. Lange Zeit habe ich selbst einfach alle meine Augen ganz, ganz fest zugemacht. Deshalb: Habe Mut! Stelle dich den Zahlen - es ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Du schaffst das!
Uns hat ein glasklarer Blick auf unser Einkommen und unsere Ausgaben enorm geholfen, mit wenig Geld gut zu leben. Ich bin davon überzeugt, dass man von jedem Gehalt gut leben kann, wenn man lernt, es zu verwalten. 

2. Nicht alles ist Gold, was DIY ist

Anhand von Brot möchte ich dir etwas zeigen. Im Vergleich zum Bäcker kostet ein selbst gebackenes Brot nur ein Bruchteil. "Wer wenig Geld hat, backt wohl lieber selbst", könnte man meinen. Ich aber kaufe mein Brot trotzdem beim Bäcker. Warum?
Weil Geld nicht meine einzige Währung ist. Die andere Währung ist Zeit. Sie ist vielleicht sogar noch kostbarer! Denn im Gegensatz zu Geld ist sie abgezählt und begrenzt.
Es ist also eine Frage der Währung; bezahlen musst du so und so. Ich verbringe also lieber die Zeit mit meinem Mann, anstatt zehn Euro im Monat für Brot zu sparen.
Wir haben uns angewöhnt, in jeder Situation bewusst folgende Frage zu stellen: Mit welcher Währung möchte ich jetzt lieber bezahlen? Mit meiner Zeit oder mit meinem Geld?

3. Plane ultra-einfache Mahlzeiten

Jetzt ist nicht die Zeit für Entenbrust an Käsesoufflés auf einem Bett aus handverlesenem Rucola (wobei das natürlich absolut fantastisch klingt ;)). Erstens, zu teuer, zweitens, zu aufwendig. Wenn du wenig Geld zur Verfügung hast, dann empfehle ich, alle Mahlzeiten zu planen. Gleichzeitig sparst du neben barem Geld übrigens auch Zeit. Win-win!!
Wie wäre mal wieder mit Spiegelei und Spinat? Oder einfach mal Brotzeit statt kochen? Das sind Gerichte, die wir aus unserer Kindheit kennen ... und langsam dämmert mir, warum es das so oft gab: Es geht einfach schnell!

4.  Ändere deine Einstellung

Ja, es ist hart, wenn man Mangel auf beiden Seiten hat. Ich weiß, wie es ist, nach einem saulangen Arbeitstag nicht mal ein pfurzeinfaches Gericht kochen möchte und einfach nur essen gehen will, aber der Geldbeutel das nicht hergibt. Oder in einem vollgestopften Bus zu sitzen, neben einer Person, die seit gefühlten 100 Tagen nicht geduscht hat, weil ein Auto finanziell nicht drin ist.
Aber ich weiß auch - Überraschung! - Jammern verbessert weder meine Laune, noch mein Gehalt noch reduziert es meine Stundenanzahl.
Anstatt also meinen Mangel an all den Ecken und Enden zu sehen, versuche ich auf das zu schauen, was ich tatsächlich habe: eine Arbeit. Zwei gesunde Beine und ein Busfahrticket, um von A nach B zu kommen. Essen im Kühlschrank. Überhaupt ein Kühlschrank!
Selbst wenn du sehr wenig verdienst, gehörst du immer noch zum reichen Teil der Weltbevölkerung. Die meisten von uns sind, zumindest materiell betrachtet, reich und wirklich gesegnet. Wie wäre es, wenn du anfängst, ein Dankbarkeitstagebuch zu schreiben? Notiere jeden Tag drei Dinge, für die du dankbar bist. Du wirst staunen, was da zusammen kommt!

5. Ändere deine Umstände

Irgendwann haben wir bemerkt, dass es uns an die psychische Substanz geht, zu knapp auf beiden Seiten unterwegs zu sein. Eines Tages wachte ich buchstäblich auf und wusste: Ich muss etwas verändern. Entweder muss mehr Geld her oder mehr Zeit.
Dafür musst du dich entscheiden und die Konsequenzen abschätzen.
Eine Entscheidung für "mehr Geld" könnte bedeuten, auf ein geliebtes, aber kostenspieliges Hobby oder die teure Wohnung zu verzichten. Es könnte bedeuten, einen zweiten Job anzunehmen.
Die Entscheidung für "mehr Zeit" könnte bedeuten, öfter mal "Nein" zu sagen oder es zu wagen, nur Teilzeit zu arbeiten.
Vielleicht musst du in den sauren Apfel beißen, aber realisiere: Es ist leichter eine Last zu tragen (z. B. weniger Geld), als zwei (wenig Geld und wenig Zeit)!
Ich entschied mich, meine Stunden deutlich zu reduzieren und trage die Konsequenz, auch weiter Bus zu fahren.

Mit wenig Geld und wenig Zeit über die Runden zu kommen ist kein Zuckerschlecken. Aber es ist machbar. Wir haben es geschafft - und ich bin mir sicher, dass ihr das auch könnt.

Welche Tipps habe ich vergessen? Sag's uns in den Kommentaren!


1. Januar 2016

Frohes neues Jahr // Mein Jahrwort

Obacht - wenn man Jahrwort zu schnell spricht, könnte es schnell klingen wie Jawort. Das hab ich schon gegeben und steht nicht mehr auf meiner To-do-Liste. Deswegen sprecht mir noch mal langsam nach: Jaaaahrrrrr. Worrrt.

Was ist ein Jahrwort?

Bild: Fresh

Ein Jahrwort ist kein Neujahrsvorsatz. Ein Jahrwort ist auch nicht so konkret und plastisch wie "Mehr Sport machen" oder "Den besten Kuchen backen"; mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass das mehrere Wörter sind. Ein Jahrwort ist mehr als das: Ein Jahrwort ist eine Herausforderung.

Ein Jahrwort ist ein Wort, das uns nicht jeden Tag im Jahr 2016 bewusst ist, aber im Hintergrund immer dabei ist. Manchmal kommt einem das Wort auch erst im Januar oder Februar oder sogar März zugeflogen. Das ist in Ordnung. Hierbei geht es nicht um Leistung, nicht um Ziel setzen - Ziel erreichen. Es geht nicht um Haken machen. Sondern um den Kern im Leben. Um das, was dir wirklich wichtig ist. Kondensiert in einem Wort, zu dem du immer wieder zurückkehren kannst, an welches du dich erinnerst und an dem du dich neu ausrichtest.

Ein Jahrwort ist ein Wort, dass man fühlt. Ein Jahrwort ist ein Wort, unter das man das heraufdämmernde Jahr stellen möchte. Ein Jahrwort ist ein Wort, dass man wählt, nachdem man ein bisschen in sich hineingehorcht hat: Was inspiriert mich? Was möchte ich im kommenden Jahr kultivieren?

Und schließlich: Ein Jahrwort ist vielleicht ein Verb. Eine direkte Handlungsaufforderung, wie gehen. Ein Jahrwort kann auch ein Substantiv sein, ganz abstrakt. Zum Beispiel Freude. Auch ein Adjektiv vielleicht, ein Wort, dass in dir eine Assoziation hervorruft, schimmernd. Oder einfach nur ein Ausruf: Herrlich!

Hier eine kleine Rückschau meiner vergangenen Jahresworte.  
Zuhören - das Jahr, in dem ich mal weniger geplappert habe und meine Lauscher besser aufgesperrt habe. Für all das, was auch zwischen den Zeilen steht.
Lernen - das Jahr, in dem ich erleben wollte, dass man selbst nach 13 Jahren Schule und vier Jahren an der Uni nicht unbedingt ausgelernt hat. Dass ich in jeder Situation des Lebens eine weitere Lernerfahrungen machen kann und immer Schülerin bleiben werde.
Zufriedenheit - das Jahr, in dem wir mit so wenig Geld auskommen mussten und gleichzeitig so hohe Fixkosten hatten wie noch nie. So viele gefühlt unerfüllte Wünsche.

Bild: Fresh

Und für 2016? Erfrischend. Warum? Ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht so genau. Wie gesagt, manche Worte weiß man, manche Worte fühlt man. Bei diesem Wort fühle ich es. Das Bild, was vor meinem inneren Auge auftaucht, wenn ich an "erfrischend" denke, ist so köstlich, so wunderbar, dass ich dem nachgehen will. Erfrischend assoziiere ich mich Morgenstunden, neuer Tag, kaltes Wasser, Altes wird neu, Tautropfen auf Gras, Aufbruch, abspülen, den Kopf heben und staunen. Dieses Jahr möchte ich mich besonders jeden Tag ganz bewusst neu von Jesus erfrischen lassen - von seiner Art, seinen Gedanken, seinen Plänen. Mich herausrufen lassen aus meinem Trott. Und: Anderen eine Erfrischung sein.

Welches ist dein Jahrwort?


In diesem Sinne wünschen wir euch ein erfrischendes, gutes, neues Jahr. Möget ihr über die Maßen gesegnet sein!

16. Dezember 2015

Nachtisch // Weihnachtliche Fruchtlasagne

Ich habe ja erst kürzlich von meinen Studenten gelernt, dass der Deutsche im Schnitt nur 370 g über die Feiertage zunimmt. Trotz Gans und Klößen und Lebkuchen und Glühwein und Bratwurst. Verrückt, oder? Wer hätte das gedacht?

Da dachte ich: Ich tu mal was dagegen und erfinde eine Nachspeise, die nun alles andere als kalorienreduziert und skinny ist. Herausgekommen ist eine Liaison von würzigem Zimt, herber Schokolade, fruchtigen Kirschen und - mein absoluter Liebling, immer - Sahne (i love you!).

In diesem Rezept habe ich Butterkekse verwendet (Vollkorn, übrigens. So völlig kann ich meine Grundwerte nicht übergehen), aber ich kann mir vorstellen, dass jedes weihnachtliche Gebäck, z. B. Lebkuchen-artiges oder Frühstückskuchen, sehr lecker darin wären. Auch anderes Obst kann lecker sein (vielleicht gedünstete Äpfel?).

Wer also noch einen Nachtisch gesucht hat, den er zur Weihnachtsfeier mitnehmen kann: Hier ist er!


Zutaten

  • 4 Becher Sahne
  • 250 g Magerquark
  • 100 ml Milch
  • 100 g Zucker
  • Vanillezucker
  • Butterkekse (1 Packung)
  • Schattenmorellen im Glas
  • 1 Päckchen Vanillepuddingpulver
  • 2 EL Zimt
  • 200 g Zartbitterschokolade
  • 3 Butterkekse zum Garnieren

 

Zubereitung

  1. In einem Topf zwei Becher Sahne erwärmen (nicht kochen!) und von der Herdplatte ziehen. Schokolade grob hacken. Die zerkleinerte Schokolade in die heiße Sahne geben und mehrmals umrühren, bis keine Stückchen mehr zu sehen sind. Die Schokoladenmasse beiseitestellen, sodass sie etwas abkühlen kann.
  2. Kirschen abgießen und den Saft auffangen. Vom Saft 6 EL abnehmen und in eine Tasse geben. In einem zweiten Topf den restlichen Saft erhitzen, bis er kocht. In der Tasse den Saft mit dem Puddingpulver und 50 g Zucker vermengen. Angerührte Puddingmasse in den kochenden Kirschsaft geben und unter Rühren nochmals aufkochen lassen, bis die Masse beginnt, fest zu werden. Die Kirschen vorsichtig unterheben und mit Zimt abschmecken. Vom Herd ziehen und abkühlen lassen.
  3. Nun in einer Schüssel die Sahne steif schlagen. In einer zweiten Schüssel den Quark mit 50 g Zucker, dem Vanillezucker und der Milch geschmeidig rühren. Anschließend die Sahne unterheben und alles gut durchmischen. Abschmecken: Wem es noch nicht süß genug ist, füge noch Zucker hinzu.
  4. Die drei Komponenten - Schokolade, Kirschen und Quarkcreme - nun zusammen mit den Butterkeksen in eine Auflaufform schichten.
  5. Dabei könnt ihr so vorgehen, wie ihr möchtet oder den Schritten im nachfolgenden Bild folgen. Je nach Auflaufform können die Teilmengen variieren. Ich habe mich für eine besonders hohe Auflaufform entschieden, weil ich viele Schichten haben wollte.


Schichtreihenfolge

  1. Die Hälfte der Kirschen auf den Boden verteilen. Darauf so viele Kekse legen, bis alle Kirschen abgedeckt sind.
  2. Die Schokomasse mit einem Spatel vorsichtig auf den Keksen verstreichen. Ein paar EL zurückhalten.
  3. Es folgt eine weitere Keksschicht.
  4. Die Hälfte der Quarkcreme auf den Keksen verstreichen.
  5. Es folgt abermals eine Keksschicht.
  6. Auf die Kekse kommt die andere Hälfte der Kirschen.
  7. Noch mal Kekse.
  8. Als Deckschicht kommt der Rest der Quarkcreme.
  9. Die restliche Schokomasse kunstvoll mit der Rückseite eines Löffels in die Oberfläche der Fruchtlasagne einarbeiten. Die Butterkekse (zum Garnieren) jeweils zwei Mal brechen und elegant in die Quarkcreme stecken.
 Bon appetit!

30. November 2015

Miteinander // Bist du auch einsam?

Manchmal überwältigt mich das Gefühl, ganz allein zu sein auf dieser Welt. Ein Außerirdischer, Hinterwäldler, zusammen mit meiner Familie allein. Einsam.


Meine Facebook-Seite sagt mir, dass ich 329 Freunde habe.  Die allermeisten kenne ich sogar richtig. Fast 850 Menschen haben unserem Blog ein "Like" gegeben. Ich habe eine tolle Familie, im Kleinen wie im Großen. Ich bin die letzten drei Jahre in einer großartigen Gemeinde gewesen, voller großartiger, Jesus hingegebener, liebender Menschen. Und auch jetzt in Münster sind wir nicht "kontaktlos". Da wäre es doch naheliegend, zu denken, dass ich doch wohl nicht einsam sein kann.

Doch die Wahrheit ist, dass mir die sozialen Netzwerke nur vorgaukeln, ich hätte so viele Freunde. Ich bin stets auf dem Laufenden, was im Leben der anderen passiert, ohne ein Wort mit ihnen geredet zu haben. Weiß, wie sie und ihre Kinder aussehen, sich verändert haben, ohne sie in der letzten Zeit zu Gesicht bekommen zu haben. Teil zu haben an ihrem Leben, ohne ein echter Teil davon zu sein.

Ich merke, wie ich davon abhängig werde, möglichst viele Daumen für meine Beiträge bei Facebook zu bekommen, als Zeichen dafür, dass Menschen sich für mich interessieren. Wie meine Laune davon abhängt, ob mir Menschen direkt bei WhatsApp antworten oder davon, wie viele mir zu meinem Geburtstag oder zur Geburt unserer Kinder gratulieren. Und ich werde neidisch, wenn Menschen etwas ohne mich unternehmen. Dass etwas unternommen wird, sehe ich ja bei Facebook. Social Media machen mein Leben einsamer.

Auch habe ich das Gefühl, dass jeder so beschäftigt ist mit seinem Leben, dass dort kein Platz mehr für mich ist. Dass jeder schon seine Freunde hat. Kein freier Platz mehr für mich. Dass es unheimlich schwierig ist, sich zu verabreden. Ich weine meiner alten Heimatstadt hinterher, obwohl ich weiß, dass ich hierher kommen sollte und auch, dass ich mich trotz vieler Freunde auch dort häufig sehr einsam gefühlt habe. Leer.

Ich versuche, mein Zuhause schön, gemütlich, warm zu gestalten. Mit Kerzen und Kissen und Decken, Adventsdekoration zum "Fest der Liebe". Aber sollte dabei nicht auch die Liebe mit einziehen, nicht nur das Drumherum? Trotz der schönen Wohnung und der Kerzen bleibt mein Zuhause irgendwie leer und kalt. Weil die Menschen fehlen, die mein Zuhause füllen. Weil ich Gott zu selten hineinbitte.


Gott hat uns geschaffen, um mit ihm in einer engen Gemeinschaft zu leben. Der Alltag drängt Jesus aber immer wieder weit nach außen. Oder eher mich weit weg von ihm. Und es fällt mir immer wieder so schwer, die Gemeinschaft mit ihm zu suchen, weil ich mich nicht würdig fühle. Mich schäme, dass ich nicht in der Bibel gelesen habe, trotz des Wissens, dass es mir so gut tut. Nicht gebetet habe, obwohl meine Seele das braucht. Wenn ich die Geschichte vom verlorenen Sohn lese, sehe ich aber, dass Gott geduldig ist. Dass er uns gehen lässt, wenn wir gehen wollen, aber dass er mit offenen Armen, voller Sehnsucht auf uns wartet, uns wieder in seine liebenden Arme schließen zu können. Weil er das Beste für uns will. Immer wieder, wenn ich endlich zurückkehre und eine Ahnung von seiner unendlichen Liebe und Geduld und Gnade bekomme, überkommen mich Tränen der Dankbarkeit. Und es geht mir besser.

Doch immer noch bleibt eine Leere. Gott hat uns nicht nur für sich erschaffen. Schon in der Schöpfung heißt es: "Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei." (1. Mose 2, 18). Dabei war er ja gar nicht allein, er hatte Gott, den wunderbaren Garten Eden und all die Tiere, die Gott erschaffen hatte. Doch eines fehlte noch, ein anderer Mensch. Wir brauchen einander, den Kontakt, die echte Gemeinschaft mit anderen Menschen. Wieso ist es dann so schwer, Gemeinschaft zu pflegen?



In den letzten Tagen durfte ich etwas erkennen. Dass ich mich nicht damit abfinden muss, dass ich mich einsam fühle. Dass es aber auch etwas kostet. Zeit, Geld, meine Aufmerksamkeit.

Die Beziehung zu meinem Mann hat sehr unter dem Stress der letzten Monate gelitten, und endlich haben wir uns wieder nur uns als Paar gewidmet. Wieder über uns geredet, gemeinsam Predigten gehört, gemeinsam gelebt statt nur nebeneinander. Das hat schon sehr geholfen.



Doch auch zu zweit kann man sich isoliert fühlen. Deswegen haben wir endlich aufgehört, darauf zu warten, eingeladen zu werden, und sind einfach mal ein paar Stunden durch das Ruhrgebiet getourt, um Freunde zu besuchen. Trotz der Bedenken, die Kleinen könnten das evtl. nicht gut mitmachen. Trotz Fußballfans im Zug, die aber auch im betrunkenen Zustand noch sehr viel Rücksicht auf unsere Kleinen genommen haben (Merke: Nicht immer Menschen in Schubladen schieben und Misstrauen abbauen!). Trotz der unverschämt hohen Kosten fürs Bahnfahren von Geld, das wir eigentlich nicht haben (oder glauben zu haben). Es war das alles mehr als wert! Es tat so gut, wieder Menschen zu sehen, einfach nur, um sie zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Und dieses Mal soll es nicht das letzte Mal für eine lange Zeit bleiben.



Und dann gibt es immer noch diese wunderbaren Menschen, die selbst keine Mühe und keinen Aufwand scheuen, uns zu besuchen. Ich liebe sie dafür und bin ihnen unendlich dankbar dafür!


Vielleicht ist es offensichtlich, aber Gott hat mich etwas verstehen lassen. Bei Freundschaften ist es ähnlich wie mit Pflanzen. Man muss sie gießen und pflegen und manchmal auch stutzen, damit sie wachsen und gedeihen und am Leben bleiben. Er hat mir auch gezeigt, dass Pflanzen sich meistens auch dann erholen, wenn sie schon die Köpfe hängen lassen und man sie dann wieder gießt. Sie richten sich wieder auf, als wäre nichts gewesen. Es gibt auch solche, die sich nicht wieder berappeln, aber das sind wenige.



Ich will es versuchen. Dann gibt es halt weniger Geschenke in diesem Jahr, die wieder nur helfen, Einsamkeit zu überspielen. Und vielleicht lassen die anderen sich ja auch darauf ein, nicht mehr einsam zu sein.


16. November 2015

Mein Herz bricht

Wo ich hinsehe ist Chaos, Leid, Schmerz, Schrecken. In der Welt und in meinem eigenen Leben. Ich habe den Eindruck, als würden mir zum ersten Mal in meinem Leben so richtig die Brillengläser geputzt werden. Ich sehe klarer und schärfer. Ich sehe auch die brutalen Abgründe, die schmerzhaften Bilder, ich sehe ungeschminkte Wahrheiten, die nicht weich gezeichnet wurden. Die Ereignisse, die auf der Welt in diesem Jahr und die Erfahrungen, die ich in meinem eigenen Leben gemacht habe, lassen mich das Leben zum ersten Mal in seiner ganzen Fülle sehen: wunderschön, ja, und abgrundtief schrecklich zu gleich.

Bild: Fresh

Mein Herz ist in den vergangenen Wochen gebrochen, mehrmals. Der Moment, wenn eine Nachricht mich erreicht hat: per Telefon, über die Nachrichten im Radio, per SMS. Der stille Moment der Erkenntnis und des Realisierens, einen Atemzug lang aussetzen, das kleine Klicken im Brustkorb - das ist der Augenblick, in dem mein Herz gebrochen ist.

Gestern Abend war mein Herz besonders schwer und beladen mit all dem, was gerade passiert. Mein Herz leidet mit den Menschen, die die Anschläge in Paris erlebt haben. Mein Herz leidet mit denen, für die jeder Tag ein 13. November ist, Menschen in Syrien, im Irak. Mein Herz leidet mit all den Freunden in meinem Leben, die gerade schwere persönliche Zeiten des Zerbruchs und des Schmerzes durchmachen müssen. Mein Herz leidet mit Mitgliedern meiner Familie, die ungeahnten körperlichen Problemen gegenübertreten müssen. Mein Herz leidet mit all den Menschen und den Kindern, die irgendwo im Niemandsland oder in Turnhallen schlafen, frieren und nicht weiter wissen. Die Welt, so scheint mir, ist so durchtränkt von Blut und Tränen und Leid, dass mein Herz nicht anders kann als Brechen. Hundertmal und dann noch einmal. Mein Herz ist aufgerieben und schwer und wund. Und ich sehne mich nach nichts mehr als nach Erleichterung. Befreiung. Erlösung. Endlich nach dem Morgen nach einer dunklen, dunklen Nacht.

Bild: Fresh

Aber wo finde ich das in dieser Welt? Wenn ich aus der Klinik nach Hause fahre, mit beladenem Herzen, wie kann ich dann Zerstreuung finden, wenn ich das Radio anschalte und Nachrichten aus der Welt höre? Klar, ich kann ausschalten, weghören, aber die Worte würden in meinem Ohren nachhallen. Wenn ich schreckliche Nachrichten gehört habe, kann ich zu einem anderen Menschen gehen und dort alles lassen? Solange bis dessen Herz schwer und wund und beladen ist? Auch das geht nur begrenzt. Und ultimativ kann mich dieser Mensch nicht erlösen und mir diese Sehnsuchtsworte sagen können "Es wird alles gut." Er kann es ja doch nicht wissen. Es ist, als sei ich gefangen an einem Ort, den ich verabscheue und doch nicht verlassen kann.

Wo finde ich endlich Erleichterung? Wer nimmt mir den Schmerz? Wo ist der Ort, an den ich gehen kann, wo ich all das loswerden kann, rausschreien, rauswimmern kann? Wo ist der Ort, an dem ich frei werde, von all dem Mist, von all dem Zerbrochenen, von all dem Blut und von all den Schmerzen?

Auch die gutgemeinten Worte "Werfe deine Sorgen auf Gott, er trägt sie für dich" halfen nicht. Ja, sie sind ja wahr, aber was ist, wenn ich es nicht so fühlen kann? Ich schrie und ich war wütend, weil Gott das nicht wegnahm, was mich so belastete. Weil er nichts an den Situationen der Flüchtlinge, der Kriegsgebiete, der geliebten Menschen im Krankenhaus geändert hat. Weil einfach alles so geblieben ist und ich mich kein Stück erleichtert, befreit oder erlöst fühlte. Gleichzeitig beschlich mich die Angst, dass vielleicht selbst Gott mir nicht sagen kann und wird, dass auf dieser Welt schon alles gut gehen wird.

Bis ich eines Morgens las: Ich weiß, wie es ist.

Bild: Fresh

Über Jesus schreibt die Bibel: "Er wurde verachtet und von den Menschen abgelehnt - ein Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut, jemand, vor dem man sein Gesicht verbirgt. Er war verachtet und bedeutete uns nichts. Dennoch: Er nahm unsere Krankheiten auf sich und trug unsere Schmerzen." (Jesaja 53,3-4, NL)

Jesus weiß, wie es ist.

Wenn mein Herz schon bricht, bei dem begrenzten Blick, den ich auf die Welt und das Leben habe - wie viel mehr muss das Herz dessen brechen, der sie geschaffen hat? Der jeden Spatz sieht und der jeden Menschen kannte, kennt und kennen wird? Wenn ich schon die Wucht des Bösen und Grausamen erfahren kann, wie viel mehr muss er sie spüren und empfinden, er, der nur Liebe ist? Wenn ich über all das Schreckliche klage, was ich höre, sehe und in begrenztem Maße selbst erlebe, wie viel mehr muss der Grenzenlose weinen, schluchzen, zerbrochen sein, der das alles nicht nur sieht, sondern selbst durchlebt hat?

Ich glaube an einen Gott, der nicht lächelnd auf seiner Wolke weitab von all dem Elend und Chaos hier thront, sondern an einen Gott, der mitten unter uns ist, der in den Flüchtlingsheimen sitzt, der am Krankenbett auf der Intensivstation wacht, der im Café in Paris saß. Ich glaube an einen Gott, dem das Elend der Welt nicht egal ist und an dem der Schmerz nicht abperlt. Sondern an einen, der es näher an sich heranlässt, als wir es jemals ertragen könnten. Gott kann leiden. Was mich berührt, berührt ihn auch. Und zwar noch viel mehr. Wenn mein Herz 101 mal zerbricht, dann seines noch einmal mehr.
Gott kann für uns leiden. Er kann mit uns leiden. Es kann das und tut das, weil er uns liebt.

Inmitten der Trauer und des Schreckens der vergangenen Zeit halte ich mich trotz Allem an diesen Gott, der voller Mitgefühl und Liebe für jeden Menschen ist. Der uns bedingungslos liebt, auch denjenigen, der die schrecklichsten Dinge tut und der möchte, dass genau dieser jene zu ihm zurückkommt, endlich nach Hause kommt. Ich folge diesem Gott der Liebe nach in einer Welt voller Schmerz und Hass und Ungerechtigkeit. Und ich bin auf eine tiefe Art und Weise diesem Gott dankbar, dass er meine Brille geputzt hat, dass er mir zugetraut hat, in die Abgründe der Welt zu sehen. Dass er mich darin nicht alleine gelassen hat, sondern mit mir saß und weinte. Dass er mit mir mittendurch all das gehen wird. Vor mir hergehen wird.

Diese Erkenntnis machte mein Herz nicht unbedingt leichter, freier, erlöster. Aber auf eine Art, die ich mir nicht erklären kann und die ich nicht geahnt hätte, gibt sie mir Kraft und Stärke, nicht im Schmerz zu versinken. Sondern umso tiefer und echter betend für Veränderung einzutreten.
Ja, Herr, erlöse uns von dem Bösen. Bitte. Denn du weißt, was das Böse ist, noch viel mehr, als ich es weiß. Und du willst es genauso wenig, wie ich es will. Dein Reich der Liebe, Gnade und des Friedens komme.
 



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