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5. April 2016

Freiheit // Loslassen, was mich antreibt...


Ich lese gerade ein sehr gutes Buch. Manchmal weine ich, wenn ich es lese, weil ich mich so sehr in dem Gelesenen wiederfinde und überführt werde. Manchmal lache ich auch herzhaft. Aber am Ende bin ich meistens ein Stück befreiter.


Nein, dieses Mal handelt es sich nicht um die Bibel selbst, auch wenn es mir bei Gottes Wort genau so geht (das Lachen dabei lerne ich gerade noch...). Es handelt sich um ein Buch, das sehr nah daran anknüpft. Es heißt "Von der Kunst, sich selbst zu führen" von Thomas Härry.

Zur Zeit beschäftige ich mich sehr mit den Themen Nein-Sagen (auch zu sich selbst), Ruhezeiten und mit den Gründen dafür, warum mir das Ruhen so schwer fällt und ich immer wieder an einen gestressten Punkt komme. Ich habe so eine Ahnung, dass es in der Regel zwei Dinge sind, die mich immer wieder dazu antreiben, mehr und besser leisten zu wollen. Mehr zu schreiben, eine bessere Mutter zu sein, den Haushalt besser im Griff zu haben, mehr und bessere Beiträge zu schreiben. Ich habe vor einiger Zeit ja schon einmal darüber geschrieben.

Meine Antreiber heißen Verlangen nach Lob und Anerkennung und die Angst, wertlos zu sein.

Ich bin mir da ziemlich sicher. Schon seit meiner Kindheit hatte ich das Gefühl, nicht auszureichen, nicht gut genug zu sein, nicht schön genug. Ich versuchte, in allem besser zu werden, mich zu verändern, noch mehr zu leisten. Und auch wenn gute Noten und alles, was ich tat, nur ein bisschen Erfolg im Bereich Anerkennung und Selbstwertgefühl beitrugen, brachte mich das dazu, noch mehr zu leisten. Ich nahm jede Herausforderung an. Beispielsweise die, eine Klasse zu überspringen oder in einem schwierigen Kurs richtig gute Noten zu bekommen, wofür mich meine Mitschüler verständlicherweise nicht besonders mochten. Doch wenigstens die Anerkennung der Lehrer hatte ich, für meine Mitschüler war der Zug schon lange abgefahren. Ich war wahrscheinlich wirklich die Streberin, für die mich alle hielten. Mein Abi machte ich als Stufenbeste.

Kurze Zwischenbemerkung: Nicht nur bei den Schülern, die schlecht in der Schule sind, muss etwas im Argen sein. Manchmal sind es auch die richtig guten, die richtig große Probleme haben, dort schaut nur niemand hin, es ist so unauffällig und gut kaschiert. Wir sollten für alle Menschen die Augen und Herzen offen halten, wie es dann auch die Menschen für mich getan haben, von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. Dass mich todunglückliche Bestnotenschreiberin endlich jemand wahrgenommen hatte abseits meiner guten Leistungen...



Bis heute konnte ich bereits vieles loslassen, seit ich zum Glauben gekommen bin. Ich habe mich gegen eine allein aus Vernunfts- und Herausforderungsgründen angefangene Jurakarriere entschieden und für ein Leben mit und für die Familie und für den Traum, als Familienfotografin zu arbeiten, ohne eine Last für meine Lieben zu werden. Ich habe angefangen, mir Hobbies zuzugestehen, wie nähen und fotografieren und schreiben. Ich habe angefangen zu lernen, dass Gott mich liebt und gewollt hat, dass er mich geschaffen hat mit allem, was mich ausmacht, dass Jesus für mich gestorben ist aus Liebe, um mich zu befreien und mir ein Leben in Fülle zu schenken, hier und in Ewigkeit.

Dennoch komme ich auch heute noch immer wieder an den Punkt, dass ich mich dabei beobachte, wie ich Aufgaben nur annehme, um anderen zu gefallen. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, Lob und Zuspruch. Ich will eine schöne Wohnung zeigen können, tolle Dinge nähen, alles selber machen, meinem Mann helfen, frisch gebackenen Kuchen mitbringen, schöne Geschenke machen.  Aus Liebe und für Gott versteht sich, so rede ich es mir dann zumindest immer ein (oder schön). Aber Gott will gar nicht, dass wir uns kaputt arbeiten und am Rande des Burn-outs stehen.. Er will, dass wir loslassen können und einfach auch mal seine Gegenwart genießen können. Jesus selbst hat sich immer wieder zurückgezogen, einfach, um zu beten und Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Nicht, um noch einen Blogbeitrag zu schreiben oder auch in der Nacht noch zu nähen. Er hatte eine gute Balance zwischen ruhen und arbeiten und hat sogar geschlafen!

Ich lerne gerade, den Sabbat wirklich zu heiligen und einen Feierabend zu haben und genug zu schlafen. Mich zu erholen. Doch im Kopf will ich auch, dass die Gedanken wirklich zur Ruhe kommen und nicht darüber grübeln, wie ich dafür in der nächsten Woche noch mehr arbeiten kann, wenn ich ja schon am Sonntag nichts tue. Und dafür muss ich tiefer gehen. Thomas Härry spricht an der Stelle von Zwiebeln häuten. Schicht um Schicht zum Kern vordringen und dabei ans Licht und zu Jesus bringen, warum wir handeln, wie wir handeln.

Ich will lernen, meiner Sucht nach Anerkennung und Lob und meinem Gefühl von Wertlosigkeit keinen Raum mehr zu geben, ihnen nicht mehr das Steuer in meinem Leben überlassen. Mich mit Gottes Wort füllen, das mir zuspricht, wertvoll und geliebt zu sein. Dass als Kind Gottes mein Wert nicht an meiner Leistung hängt. Neben all den Ermahnungen in der Bibel, nicht faul zu sein, endlich auch mal die Stellen lesen, die Ruhe schenken, wie zum Beispiel diese hier.



Jesus kam mit seinen Jüngern in ein Dorf, wo sie bei einer Frau aufgenommen wurden, die Marta hieß. Maria, ihre Schwester, setzte sich zu Jesu Füßen hin und hörte ihm aufmerksam zu. Marta aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt. Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: "Herr, siehst du nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit überlässt? Kannst du ihr nicht sagen, dass sie mir helfen soll?" Doch Jesus antwortete ihr: "Marta, Marta, du bist um so vieles besorgt und machst dir so viel Mühe. Nur eines aber ist wirklich wichtig und gut! Maria hat sich für dieses eine entschieden, und das kann ihr niemand mehr nehmen." 
- Lukas 10, 38-42 (Hoffnung für alle) - 

Und damit möchte ich heute schließen. Denn jetzt mache ich mir Kaffee und Pause, um etwas Zeit mit Gott zu verbringen. Ganz allein, bis die Kinder wieder wach werden. Habt einen schönen und gesegneten Tag!


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