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21. März 2016

Warum ich meiner Großen das Schlafen beibringen musste und was ich bei der Kleinen anders gemacht habe, um ihr das zu ersparen


Heute möchte ich auf einen Kommentar reagieren, der zu einem Post geschrieben wurde, der schon einige Zeit zurückliegt:


"Ich lese gerne hier. Aber dieses Posting entsetzt mich! Dieses Buch ist sehr manipulativ und ich werde nie verstehen wie denkende und liebende Menschen ihren eigenen Kindern unter dem pädagogischen Deckmantel solche Methoden angedeihen lassen. Nein, es ist kein Zeichen von guten Eltern Kinder schreien zu lassen. Wie hält man das aus! Aus christlichem Blickwinkel versteh ich es noch weniger. Mein Kind ist ein Geschenk Gottes mit allen Facetten und es ist meine Aufgabe es in Liebe zu begleiten, aber sicher nicht es zu manipulieren. Wie passt das für dich zusammen? Kinder funktionieren nicht nach Plan wie Maschinen. Es sind Geschöpfe Gottes. Völlig fassungslos."

Liebe Verfasserin, ich stelle mich ganz auf deine Seite. Der Artikel "Meine Tochter schläft jetzt allein" ging darum, dass ich meiner großen Tochter das Schlafen beibringen musste, weil ich so erschöpft war und nicht mehr weiter wusste. Allerdings war der Artikel so lückenhaft und oberflächlich, dass man mich durchaus als herzlose Mutter herauslesen konnte, die ihre Kinder nach ihren Bedürfnissen lenkt und manipuliert. Den ursprünglichen Artikel habe ich mittlerweile gelöscht, weil es mir besser erschien, einen neuen zu schreiben als den alten zu überarbeiten.

***

Mimi fing recht bald nach der Geburt an, wirklich gut zu schlafen, etwa 10 bis 11 Stunden am Stück. Manchmal schaute ich nach, ob sie überhaupt noch atmete :-) Nach 3 oder 4 Monaten war das Ganze aber auch wieder vorbei, und die Nächte wurden schlechter. Ach, das wird schon wieder, dachte ich, und zwei oder dreimal die Nacht aufwachen war für mich gut zu verkraften. Nach unserem Sommerurlaub, also mit sieben Monaten, verschlechterte sich die Situation jedoch drastisch. Mimi schlief lediglich noch eine Dreiviertelstunde am Stück. Jedes Mal bin ich aufgestanden, habe sie auf den Arm genommen und gestillt, bis sie einschlief, um sie dann vorsichtig ins Bett zu legen. Dann versuchte ich selbst, wieder einzuschlafen, um kurze Zeit später von vorne zu beginnen. Und das über mehrere Wochen hinweg. Ich schob es auf die Zähne, die bald kommen mussten und harrte aus. Dann kamen die Zähne, wir schafften wieder zwei Stunden und mehr. Doch nach kurzer Zeit waren wir wieder bei max. 45 Minuten angelangt. Tagsüber den Schlaf nachzuholen war kaum möglich, da sie auch hier nur im Kinderwagen oder Tragetuch schlief und ich zwei Stunden spazieren gehen musste, damit sie überhaupt zur Ruhe kam. Ich konnte nicht mehr, wäre fast mit meiner Tochter auf dem Arm die Treppe runtergefallen, weil ich so schwach war. Mein Mann konnte mir das Stillen ja auch nicht abnehmen, außerdem musste er fit sein für die Arbeit. Mittlerweile war mir auch klar geworden, dass es sich nicht lediglich um Zahnen, Wachsen oder einen Mehrbedarf an Kalorien handelte, der meiner Tochter den Schlaf raubte. Dafür hielt es schon zu lange an.

Ich fragte eine gute Freundin um Rat, von der ich wusste, dass sie ihrer Tochter mit dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" geholfen hatte, besser zu schlafen. Sie hatte mit der Kleinen ähnliche Probleme gehabt und innerhalb kürzester Zeit überwunden. Ich wollte es auch zumindest ausprobieren, denn ohne Schlaf würde ich keine Kraft haben, meiner knatschigen Tochter mit Ruhe zu begegnen, und ich drohte wegen Schlafmangel krank zu werden. Sie gab mir das Buch mit. Noch an demselben Abend las ich es ganz durch. In der Einleitung stand, man solle es nur dann anwenden, wenn man wirklich etwas an der Situation ändern müsste. Ja, wir mussten. Uns würde zwar eine anstrengende und schwierige Zeit bevorstehen, aber ich versprach mir davon eine markante Verbesserung unserer aller (!) Lebensumstände. Alle würden wieder ausreichend und besser schlafen können, als Grundlage für eine gesunde Entwicklung und Erholung für den nächsten Tag.

Das Grundprinzip ist - und wer da mehr wissen möchte, lese bitte selbst in dem Buch nach, es ist hier keine Rezension oder Anleitung zum Nachmachen! - dem Kind das Allein-Einschlafen beizubringen, damit es nachts, wenn es aufwacht, auch wieder selbst einschlafen kann. Wir alle wachen nachts auf, unbewusst, um einmal zu checken, ob noch alles in Ordnung ist. Schläft das Kind aber beim Stillen o.Ä. ein und wacht dann nachts auf, ist die Einschlafsituation ungleich der Aufwachsituation und es weint, bis wieder alles in Ordnung ist und es beruhigt einschlafen kann.

Am folgenden Abend legte ich mir Stoppuhr und Schnuller bereit und legte meine Tochter ins Bett. Ich betete mit ihr, gestillt hatte ich sie schon vor dem Bettfertigmachen, ich sang ihr noch etwas vor, sagte Gute Nacht und verließ den Raum. Auf der Stoppuhr liefen 2 Minuten ab. Wie zu erwarten, weinte meine Tochter. Sie war ja nicht gewohnt, nicht in meinem Arm und ohne Nuckeln einzuschlafen. Es war sehr hart für mich, nicht direkt zu ihr zu gehen, und sie zu stillen, aber ich wollte ja, dass es uns beiden am Ende besser ging.

Nach den zwei Minuten ging ich zu ihr und versuchte, sie ohne zu stillen zu beruhigen, max. zwei Minuten lang, bis ich wieder für eine kurze Zeit das Zimmer verließ. An dem Abend habe ich das Ganze abgebrochen, also wieder gestillt und sie im Arm einschlafen lassen, weil sie zu sehr weinte. Am nächsten Abend klappte es besser, in der Nacht ging mein Mann zu ihr. Sie brauchte insgesamt eine knappe halbe Stunde, um selbst in den Schlaf zu finden. Jedes Weinen von ihr zerriss unser Herz, und mehr als ein paar Tage hätten wir es auch nicht versucht, soll man auch nicht. In der dritten Nacht schlief Mimi dann schon ohne Weinen ein, und wachte nur noch ein Mal in der Nacht auf. Danach schlief sie regelmäßig allein ein, ohne zu weinen, freute sich sogar auf ihr Bett - sie streckte sich in die Richtung ihres Bettes, wenn Schlafenszeit war und wir sie hinlegen wollten, und vermittelte uns auch, wir sollten nicht zu lange beten und rausgehen. Sie schlief insgesamt auch deutlich länger am Stück als vorher in Summe, nämlich nachts 14 Stunden und mittags 2. Das ist übrigens üblich, dass Kinder, die nicht aufwachen und schreien, im Schnitt mindestens eine Stunde länger schlafen, als wenn sie aufwachen und schreien.

Heute haben wir ein beständiges Abendritual, das ihr Sicherheit gibt. Abendessen, umziehen, Zähne putzen, mit Papa Bibel lesen, ins Bett legen, Beten, mit Schnuller und zwei Plüschschafen einschlafen. Manchmal möchte sie noch etwas trinken, meistens legt sie sich aber einfach hin und schläft. Nachts in der Regel 13 Stunden, mittags etwa eineinhalb. Das konnten wir nicht erzwingen, das ist ihr persönlicher Schlafrhythmus. Und wenn sie nicht so viel Schlaf bekommt, weil am Tag zu viel los war oder wir zu laut waren, während sie schlafen wollte, merkt man ihr das an. Deswegen richten wir uns nach ihr und verhalten uns dementsprechend und schleppen sie nicht überall hin mit. Mimi ist ein sehr fröhliches, Menschen zugewandtes Kind, sehr aktiv mit viel Lebensfreude und, wie wahrscheinlich jedes gesunde Kleinkind, sehr intelligent und wissbegierig. Es ist eine Freude, ihr in ihren ersten Lebensjahren so viel Begleitung schenken zu können und sie im sicheren Rahmen auch loszulassen, damit sie die Freiheit hat, sich auszuprobieren, unabhängig von uns.

Dennoch wollte ich nicht mit unserer zweiten Tochter das gleiche Spiel durchmachen, sie sollte nicht in die Situation kommen, das Schlafen auf eine solch harte Tour lernen zu müssen. Auch wenn ich glaube, dass es bei Mimi keine Scherben hinterlassen hat, kann ich mich noch gut an meine Bauchschmerzen dabei erinnern, wie ich sehnlichst darauf gewartet habe, dass die Stoppuhr abläuft und ich wieder zu ihr durfte.


Daher habe ich bei dem zweiten Kind Folgendes (besser) gemacht: 

Sobald Neni nicht mehr beim Stillen eingeschlafen ist, habe ich sie wach in ihr Bett gelegt, ihr über die Wange gestrichen, gebetet und ihr eine Gute Nacht gewünscht, die Spieluhr aufgezogen und das Zimmer verlassen. Sie ist dann eingeschlafen - ohne zu weinen. Sie musste sich ja nicht erst von mit Mama auf ohne Mama umstellen. Das klappt auch seither sehr gut, und sie ist nun fast acht Monate alt. Manchmal protestiert sie, weil sie noch nicht schlafen gehen möchte, aber das hat sich immer innerhalb kürzester Zeit erledigt, wenn wir das Zimmer verlassen.

Auch von Anfang an haben wir sie in Mimis Abendritual mit einbezogen. Auch sie wird bettfertig gemacht, während der andere mit Mimi Zähne putzt, dann lesen wir alle gemeinsam in der Bibel, den Rest habt ihr oben schon gelesen. Seit sie 3 Monate alt ist, schläft sie mit Mimi in einem Zimmer. Auch hier sei jedem selbst überlassen, wie lange man das Kind bei sich schlafen lässt. Bei uns hat es mit dem Beistellbett nicht mehr so gut funktioniert und die beiden Kinder haben sich prima verstanden, also probierten wir es aus und es funktionierte auf Anhieb gut. Die beiden gehen zur gleichen Zeit ins Bett, und es hat Mimi kaum gestört, dass Neni nachts wach wurde. Ab der zweiten Nacht überschlief Mimi das einfach. Die beiden können sich gegenseitig vom Bett aus sehen, und mittlerweile will Mimi auch immer in genau der Richtung schlafen wie Neni. Nach dem Schlafen gibts ein Geschwisterkuscheln in Mimis Bett.


Als Neni nachts nicht mehr gestillt werden musste, fing ich an, sie nachts auf den Arm zu nehmen, ohne Stillen zu beruhigen und wieder hinzulegen. Seit ein paar Nächten schläft auch sie bis zu 13 Stunden durch.


Wenn die Kinder krank sind, bekommen sie auch nachts alles, was sie brauchen. Trinken, essen, kuscheln, nochmal lesen, alles. Wenn ich merke, dass Neni wieder mehr Nahrungsbedarf hat, darf sie mich auch nachts wecken zum Stillen. Sie knabbert zwar hier und da etwas Brot oder Kartoffeln o.Ä. mit, mag aber keinen Brei und bekommt das meiste noch über die Muttermilch. Ich gebe abends kein zusätzliches Fläschchen, wir kommen gut aus. Wenn sie mal mehr braucht, gibt es ein paar Nächte wieder Stilleinheiten, bis sich das Angebot wieder der Nachfrage angepasst hat. Und dann wird wieder geschlafen.

***

Ich hoffe, dass ich durch diesen Artikel besser beschreiben konnte, wie es mir damals ging und warum ich überhaupt dazu gekommen bin, Mimi beim Schlafen helfen zu müssen. Die Bedürfnisse meiner Töchter gehen vor, sogar so weit, dass ich manchmal vergesse, selbst etwas zu essen. Ich lerne gerade, Gott als echte Kraftquelle zu finden und anzuzapfen, damit ich meinen Kindern geben kann, was sie brauchen. Und ein riesiges DANKE an die Autorin des Kommentars, der so ehrlich und offen war, wie es nötig ist, damit Menschen anfangen ihr Handeln zu hinterfragen. In diesem Fall etwas richtig zu stellen. Über eine Reaktion auf diesen Artikel würde ich mich sehr freuen.

1 Kommentar:

  1. Ich kann deine, eure Beweggründe gut verstehen und doch, ich könnte dies nicht. Meine 1. Tochter habe ich bis sie 22 Monate alt war zum Einschlafen gestillt bis sie von sich aus nur noch kuscheln wollte. Bis sie 10 Monate alt war, schlief sie daher bei uns im Bett, später legte ich sie nach dem Einschlafen in ihr Bett in unserm Zimmer.
    Nun ist sie 2,8 Jahre alt und schläft in ihrem Bett ein. Allerdings nicht allein, sondern an Mamas oder Papas Hand gekuschelt und mit vielen Liedern. Das dauert meist ca. 20 min und dann schläft sie bis morgens um 7 durch. Aber ich finde es auch nicht nötig, dass sie allein einschläft und gebe ihr gern diese gemeinsame Zeit.
    Auch mit unserer 2. Tochter halten wir es nun so und sind damit alle glücklich. Wie schon bei der älteren wird auch die jüngere alle 2h wach. Familienbett ist da für alle am einfachsten und ich schlafe meist schon während des Stillens wieder ein.

    So ist es für uns richtig und gut und für euch war es eben anders. Ich finde es gut, dass ihr wirklich nur kurz dieses Programm durchgeführt habt und euch wirklich damit auseinander gesetzt habt.
    Danke für deine Erfahrungen! LG Hilde

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