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14. März 2016

Ein bisschen Ruhe...



In den letzten Tagen hatte ich das erste Mal so richtig Auszeit. Mein Mann und meine Eltern nahmen mir die Kinder ab, es wurde für mich gekocht und ein bisschen Haushalt gemacht, mein Mann pflanzte Blumen ein auf unserem Balkon und ich durfte schlafen, lesen, in Ruhe Kaffee trinken. Urlaub könnte man meinen. Aber nein, ich war krank. Und zwar so richtig. Bis auf Fieber hatte ich alle Grippesymptome, von ausgeprägten Glieder- und Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlen so richtig zu und war extrem schnell erschöpft. Die meiste Zeit des Tages hütete ich das Bett.


Anfangs fiel es mir sehr schwer, zuzusehen ohne etwas leisten zu können. Die Wohnung dreckiger und chaotischer werden zu lassen, ohne etwas daran ändern zu können. Zu lesen, wie andere ihre Probenähergebnisse vorstellten, ohne selbst etwas darüber schreiben zu können, weil mein Kopf einfach nicht funktionieren wollte.

Heute Nachmittag habe ich wieder frei, weil ich noch immer sehr angeschlagen bin. Und heute schreibe ich nicht, um mehr Leser zu gewinnen, sondern weil ich meine Gedanken sortieren und festhalten will. Und wenn es dem einen oder anderen hilft, ist es ja doppelt gut.



Manchmal habe ich das Gefühl, nicht auszureichen. Am Rande der Überforderung versuche ich, eine gute Mutter zu sein, die backt und kocht, mit den Kindern didaktisch wertvoll spielt, sie fördert, Spielgruppen besucht oder organisiert, nebenbei ihren Mann so gut es nur irgendwie möglich ist unterstützt, mit ihm in aller Frühe aufsteht und hilft, zur Arbeit zu kommen, und nebenbei noch einen funktionierenden Blog führt und näht und wäscht und die Bude in Ordnung hält samt geputzter Fenster und gewischter Böden. Am liebsten würde ich auch noch in der Gemeinde mitarbeiten und wieder in der Band singen, regelmäßig einen Hauskreis besuchen und bei Gebetsgruppen dabei sein. Weil andere das anscheinend auch können.

Der dauernde Vergleich mit anderen tut mir nicht gut. Ich lese von Frühjahrsputz und Fensterputztipps bei anderen Bloggern und füge meiner imaginären To-Do-Liste "Unbedingt Fensterputzen!" hinzu. Ich lese von Familienrezepten und denke daran, wie einseitig wir uns manchmal ernähren. "Besser kochen" als nächster Punkt. Dann sehe ich, wie fleißig andere Frauen ihre Nähprojekte vorstellen können, von Kleidung und Taschen bis zu Quilts. Dazu noch Gestricktes und Gehäkeltes: "Fleißiger nähen und stricken". Dann lese ich noch ein paar Tipps dazu, wie ich neue Leser gewinnen kann. "Mehr und regelmäßiger schreiben". Irgendwann begreife ich dann, dass ich vielleicht Bloglovin' und Pinterest für eine Weile links liegen lassen sollte, weil es mich zu sehr unter Druck setzt.

Doch damit hört es leider nicht auf. In meinem Kopf ist eine Flut an Ideen, die ich gerne in die Tat umsetzen oder wenigstens zu Papier bringen möchte. Wenn ich andere Frauen sehe, die mehr Sport treiben als ich, denke ich daran, das auch tun zu müssen. Wenn ich andere Christen sehe, die auf die Straße gehen und Fremden von Jesus erzählen, glaube ich, ich müsste das auch. Wenn ich andere Spenden sammeln und verteilen sehe, habe ich den Drang, das auch tun zu müssen. Wenn ich sehe, wie andere ausgelassen tanzen und singen, um Gott zu loben, jeden Tag Zeit in der Bibel und im Gebet verbringen, fühle ich mich schlecht, weil ich das nicht auch kann. Und manchmal denke ich noch immer, ich bin nicht hübsch genug, obwohl mich mein Mann so sehr liebt und es so viel wichtigeres gibt als das.

Anders sein. Mehr sein. So häufig lasse ich mich dazu verleiten, mich verstellen zu wollen, und nicht mit dem zufrieden zu sein, was Gott mir gibt. Was ich bin. Mehr leisten zu wollen, als ich kann. Jesus liebt uns, nicht weil wir so viel tun oder uns so sehr bemühen. Sondern eben, weil er uns liebt. Als Mutter liebe ich meine Kinder auch nur, weil sie da sind und nicht, weil sie mir so viel entgegen bringen. Spätestens dann, wenn ich drohe zusammenzubrechen, mein Kopf davon schmerzt, dass ich Stress durch Zähneknirschen abbaue und alle um mich herum nur noch anmeckere, muss ich lesen, dass Gott auch derjenige ist, der Ruhe schenkt. Jesus, der seine Jünger nach dem Aussenden zum Ausruhen ruft. Gott, der nach der Schöpfung unserer wunderbaren Erde einen Tag lang ruhte, und uns auch zu einem Tag Auszeit pro Woche ruft. Um Kraft zu schöpfen und nicht auszubrennen. Als ich anfang des Jahres merkte, dass wohl "Ruhe" mein Jahrwort werden würde nach dem turbulenten letzten Jahr, wusste ich noch gar nicht, wie sehr ich das brauchte - und wie sehr mich das herausfordern würde. Mal nichts zu tun.



Gott hat uns zuerst geliebt. Das ist so befreiend. Ich kann nichts tun, um Gott dazu zu bringen, mich noch mehr zu lieben. Was ich tue, tue ich aus Dankbarkeit, aus Liebe. Aber ich ruhe auch aus. Das brauche ich, meine Seele braucht das. Zu ruhen bei und in Gott, Zeit mit ihm zu verbringen. Und sie braucht es, zu verstehen, dass Gott mich mit Stärken und Schwächen geschaffen hat, dass ich nicht alles können muss. Und auch nicht alles jeden Tag und täglich gut können muss. Alles schaffen muss. Dass es Gott ist, der hilft. Und der mir zeigt, wie ich Wichtiges vom Unwichtigen trennen kann.

Ich will ein Leben für Jesus leben. In seiner Kraft, nicht in meiner. Sonst brenne ich aus und bin auf die Anerkennung anderer angewiesen. Ich will lernen in ihm zu ruhen. Und mich in Ruhe und Vertrauen von ihm verändern zu lassen. Leiten zu lassen. Von dem, der uns so sehr liebt, weil er uns liebt.


Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, 
damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat. 
Johannes 3, 16 [Schlachter 2000]




1 Kommentar:

  1. liebe Janine,
    das musste ich auch lernen. Ich lese nur noch ganz selten und ausgewählte Blogbeiträge, weil ich sonst das Gefühl habe ständig an was erinnert zu erden, was jetzt gerade gar nicht wichtig für uns ist. Unser innerer Speicher ist halt auch nur begrenzt ;)
    Sei in der Gewissheit das es anderen auch so ergeht
    Viele Grüße aus Bayreuth
    Sina

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